Kirchweg 1
27337 Blender
Telefon: (04233) 411
Website: www.kirche-blender.de

Kirche zu Blender
Blender nimmt als Kirchenort eine besondere Stellung ein, weil es Sitz des Pfarramtes ist, unter dem die Kirchengemeinden Blender, Intschede und Oiste verbunden sind.
Bekannt ist, dass der Bremer Erzbischof Albero anlässlich der Blender Kirchweih 1123 der Familie Ricklingen vom Edelhof Varste das Pastorenrecht über die St.-Michaelis-Kirche (Intschede) bestätigte. Blender und Intschede waren Filialen der Lunser Synodalkirche.
Die Einführung der Reformation erfolgte 1567. Einfach scheint es nicht gewesen zu sein, denn Blender hat seit 1571 seinen Märtyrer. Am 14.7. des gleichen Jahres wurde der erste lutherische Pastor Bertram Karbruch vom Sohn des Küsters ermordet. Der Grabstein dieses Pastoren ist beim Bau des jetzigen Gotteshauses als Trittstufe von der Turmhalle zum Treppenhaus der Kirche verwendet worden.
Der Turm, der 1764 der alten Kirche vorgebaut worden ist, gibt in seiner breiten viereckigen Form in Verbindung mit den schmalen, rundbogigen Schallöchern der Glockenstube diesem Relikt des vorletzten Gotteshauses ein romanisches Aussehen. Der Neubau wurde im neuklassizistischen Stil errichtet, zu dem der ältere Turm passen musste. Der Turm mit quadratischem Querschnitt geht in eine geschwungene Schieferdachform über, die mit einer barocken Laterne versehen wurde. Der dunkle Turmhelm, das mit roten holländischen Pfannen gedeckt Pfettendach und die königsgelb gestrichenen Turm- und Kirchenwände vermitteln besonders bei Sonnenschein ein freundliches Bild. Denkt man sich den Turm einmal weg, so ergibt sich der Eindruck eines herrenhausähnlichen Baus, wie er sich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts öfter finden lässt. Das bewirken vor allem die Fenster, welche – von Halbrosetten gekrönt – die Längsseite beherrschen und viel Licht in das Gotteshaus einfallen lassen.
Das große Rad- oder Halbrosettenfenster der Ostseite ist eine zusätzliche Lichtquelle. Man betritt das Gotteshaus durch die Turmhalle. Zwei Stufen führen zu einem Vorraum, in dem Treppen zu Orgel und zu den Emporen hinaufführen. Der Mittelgang endet im Chorraum, dessen grüne Rückwand durch Halbsäulen dreigeteilt wird. Diese Halbsäulen oder Pilaster haben Kapitelle mit Verzierungen in Schneckenform – sogenannte Voluten –, die den ionischen Baustil kennzeichnen. Die hellen Doppeltüren – sie haben gold abgesetzte geometrische Felder und sind von Halbrosettenfenstern überragt – werden von je einem Voll- und Halbpilaster eingegrenzt.
Das Mittelstück der Rückwand ist dadurch betont, dass es breiter ist und die hoch angebrachte Kanzel aufnimmt. Die nach unten ausgezogene Kanzelstufe hat Verzierungen, die durch Vergoldung hervortreten, und der Altar ist Zentrum der Sakramentsstätte. Auf ihm steht ein Kreuz mit Bergkristallen, das auf blauemailliertem Grunde den in Messing gearbeiteten Korpus unseres Herrn trägt. Mit ihm zusammen wurden in den fünfziger Jahren zwei passende Leuchter erworben. Zwei größere aus Bronze von 1591 und 1913 erinnern an die erste nachreformatorische Zeit und einen der Gönner unserer Kirche.
Der Altar wird vom Lesepult (1770) und vom Taufstein flankiert. Taufschale und Taufkanne von 1902 und unser silbernes Abendmahlsgerät sind teils Stiftungen der Heimbruchs oder auch anderer Höfe der Nachbarschaft.
Die Orgel wurde im Jahre 1852 von Furtwängler/Elze gebaut. Ihr klassizistisches Gehäuse ist ein passendes Gegenstück zum Chorraum. Sie wurde von 1997 bis 2000 vom Orgelbaumeister Rietzsch, Hambergen, umfassend restauriert. Klanglich wurde sie dabei in ihren Urzustand versetzt, einer romanischen Orgel entsprechend. Sie ist das Schmuckstück der Kirche und steht unter Denkmalschutz.
Auf der Nordseite der Kirche steht der Lutherstein. Er sollte 1917 zur 400. Wiederkehr des Thesenanschlages errichtet werden, kam aber wegen der Kriegsverhältnisse erst 1920 zur Aufstellung. Unten ist ein Feldstein mit den Jahreszahlen 1483 – 1883 eingearbeitet. Damals – zum 400. Geburtstag des Reformators – hatte man nämlich in Turmnähe eine Lutherlinde gesetzt, vor der dieser Feldstein gelegen hat. Sie musste aber leider gefällt werden, weil sie die Sicht auf die Kirchturmuhr nahm.