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St. Andreas Kirche zu Riede

Adresse

Friedhofsweg
27339 Riede
Telefon: 04294 267
Telefax: 04294 79916
Website: www.kirche-riede.de

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Öffnungszeiten

Die Kirche trägt das Signet "verlässlich geöffnete Kirche" und bietet Radfahrern oder Besuchern die Möglichkeit einzutreten und die Kirche zu besichtigen.

Weitere Informationen

St. Andreas Kirche zu Riede

St. Andreas Kirche zu Riede

Zur Baugeschichte der St. Andreas Kirche

Der erste Hinweis auf die Kirche in Riede stammt aus einem Dokument des Jahres 1185. Das früheste Kirchengebäude war vermutlich eine schlichte rechteckige Versammlungshalle mit einer Holzbalkendecke und einem Strohdach, ganz im landesüblichen Fachwerkstil errichtet. Das heutige Kirchengebäude, die Backsteinkirche, dürfte in ihrem ältesten Teil etwa aus der Zeit um 1230 stammen. Der älteste Teil umfasst die beiden westlichen Gewölbe des Kirchenschiffes, die in ihrer Architektur, mit ihren wuchtigen Pfeilern, Bögen und Gewölberippen über dem Chorraum oder Altarraum sind. Der Chorraum könnte aus der Zeit um 1280 stammen. Die Datierung ergibt sich aus einem Vergleich der für den Bau verwendeten Backsteinformate mit den Backsteinen anderer Kirchen unserer Heimat, deren Baujahr genau dokumentiert ist. Der wuchtige Turm der Kirche ist wohl um das Jahr 1320 vor das Kirchenschiff gesetzt worden. Auf dieses Datum weist die älteste Glocke der Kirche hin, die um diese Zeit gegossen worden ist.

Die ans Herz gewachsene Bauernglocke Über die alte Glocke in der Rieder Kirche, die sogenannte „Bauernglocke“, die einen besonders hellen und sehr reinen Klang hat, gibt es eine kleine Anekdote. Als der Bremer Erzbischof und die Domherren den Bau des Doms fast vollendet hatten, fehlte ihnen eine wohltönende Glocke. Sie wussten aber vom  Hörensagen, dass im weiten Umkreis die Glocke der Rieder Kirche den hellsten und reinsten Ton hatte. So schickten sie einen Boten nach Riede, der den Riedern viel Geld für ihre Glocke bieten sollte. Die Rieder wollten ihre Glocke aber nicht hergeben. Da erhöhten die Bremer das Angebot. Und als die Rieder Bauern hartnäckig blieben, versprachen die Bremer schließlich, dass sie als Kaufpreis die Glocke bis zum Rand mit Bremer Silbertalern füllen würden. Den Riedern aber war die Glocke und ihr Geläut so ans Herz gewachsen, dass sie sich um keinen Preis davon trennen wollten. So behielten sie ihre Glocke. Sie gilt heute als kunsthistorisch besonders wertvoll und als unersetzliches Kulturgut.Deshalb wurde sie auch in keinem der beiden Weltkriege beschlagnahmt.

Die Fresken – Bilder des Himmels und der Hölle

Wer das Innere der St. Andreas Kirche betritt, wird fasziniert die Augen zu den Fresken in den Gewölben heben. Besonders die Malereien im Chorraum, die sehr wahrscheinlich aus dem 14. Jahrhundert stammen und in den Jahren 1999 – 2000 restauriert wurden, beeindrucken durch ihrefarbige und kompositorische Gestaltung. Hier sehen wir Szenen aus der Paradiesgeschichte, abervor allem Bilder des Himmels und der Hölle. Nach den Worten von Matthäus 25 ist hier das Weltgericht dargestellt: Wenn aber der Menschensohn kommen wird in seiner Herrlichkeit, und alleEngel mit ihm, dann wird er sitzen auf dem Thron seiner Herrlichkeit, und alle Völker werden vor ihm versammelt werden. Da wird dann der König sagen, zu denen zu seiner Rechten: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist seit Anbeginn der Welt! Dann wird er auch sagen, zu denen zur Linken: Geht weg von mir, ihr Verfluchten in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln. (Mt 25, 31,34, 41)

In der Mitte ist Christus als Weltenrichter auf dem Thron Gottes und von einer Mandorla umgeben dargestellt. Aus seinem Mund geht links das richtende Schwert hervor, rechts eine Lilie. Entsprechend ist auf der linken Seite die Verdammnis mit Vorhölle (Fegefeuer) und Hölle, auf der rechten Seite ist das Himmlische Jerusalem zu sehen, in das die „Gesegneten“ eingehen oder von den Engeln getragen werden. Fürbittend sind Maria und Johannes der Täufer zu erkennen. Wenn der Blick in die Höhe, wo das menschliche Hin- und Hergerissensein zwischen Himmel und Hölle veranschaulicht ist, sich wieder senkt, sehen wir uns dem Kreuz und dem Gekreuzigten auf dem Altar gegenüber. „Sieh, in dem Bild Christi ist überwunden deine Hölle und deine ungewisse Erwählung gewiss gemacht ... Darum lass dir´s nur nicht aus den Augen nehmen und suche dich nur in Christus und nicht in dir, so wirst du dich auf ewig in ihm finden.“ (Martin Luther)

Die dramatischen Bilder der Fresken verweisen also auf den Altar und das dortige Kreuz. 

Der Altar

Bei der grundlegenden Renovierung der Kirche im Jahr 1900 wurde auch das Innere völlig umgestaltet. Der frühere, barocke Altar wurde durch den jetzigen schlichteren ersetzt: Man verwendete dazu die zahlreichen Grabplatten des Kirchenfußbodens. In der Kirche waren nämlich bis zum Jahr 1792 die Pastoren und ihre Familienangehörigen beerdigt und ihre Gräber mit massiven Steinplatten bedeckt worden. Das Kruzifix, eine künstlerisch bemerkenswerte Skulptur aus der Spätgotik, bildet nun den Mittelpunkt des Altarraums und damit den Mittelpunkt der Kirche. Vor dem Barockaltar hatte es noch einen früheren Altar gegeben, von dem ein auf Eichenbrettern gemaltes erst kürzlich restauriertes Bild des auferstandenen Christus erhalten ist, das jetzt seinen Platz in der „alten Beichtkammer“ gefunden hat.

Die Kanzel

Ein Schmuckstück der Kirche ist die Kanzel aus den Jahren 1646/47. Sie wurde von dem Kanzler und Drost Johann von Langen gestiftet, der das zum Kirchenspiel Riede gehörende Gut Heiligenbruch gegründet hatte und dort residierte. Der Anlass der Stiftung war sein 25-jähriges Dienstjubiläum und die Eheschließung seines Sohnes Friedrich von Langen mit einem Fräulein aus der Familie Parchow. Auf der Seite der Kanzel, die den Gottesdienstbesucher zugewandt ist, prangt das Wappen derer von Langen und von Parchow. Das zentrale Symbol des Langenschen Wappen ist die Schafschere, die auch das Wappen der Gemeinde Riede ziert. Auf den vier anderen Frontseiten der Kanzel finden wir sehr sorgfältig gearbeitete Reliefs der vier Evangelisten: Matthäus mit dem Engel, Markus mit dem Löwen, Lukas mit dem Stier, Johannes mit dem Adler. Die Kanzel wurde 2002 restauriert, so dass heute die ursprüngliche Farbigkeit wieder zu sehen ist.  

 Der Taufstein

Das älteste Inventarstück der Rieder Kirche ist die Samtgemeinde Thedinghausen Gemeinde Riede steinerne Taufe, die in ihrer schlichten Schönheit deutliche Züge der romanischen Stilepoche aufweist. Der Taufstein stammt vermutlich aus der Zeit der ersten Backsteinkirche um 1230, oder er hat sogar schon in der Vorgänger-Kirche gestanden. Man hat diesen Taufstein schon vor dem Jahr 1700 aus der Kirche herausgeholt und auf den Pastorenhof gebracht, wo er lange Zeit als Hühnertränke diente und wo tierliebe Menschen einen Teil des Randes wegschlugen, um den Hühnern den Zugang zum Wasser zu erleichtern. Bei der Renovierung des Jahres 1900 kam der Taufstein wieder in die Kirche. 1958, bei der letzten großen Renovierung des Kircheninneren, stellte man die Taufe in die Mitte der „alten Beichtkammer“ und machte somit eine Taufkapelle aus diesem Anbau.

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