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Stadtmusikanten-Weg

Rubrik:Fahrrad-Touren, Eintagestour
Start:Horst (Gemeinde Kirchlinteln)
Streckenverlauf:Kirchlinteln, Kükenmoor, Bleckwedel, Stellichte, Lehrden, Groß Heins, Verdenermoor, Neuenförde, Kirchlinteln
Ziel:Horst (Gemeinde Kirchlinteln)
Länge:ca. 44 km
Anfahrt:Mit der Bahn:
Aus Richtung Bremen und Hannover bis zu den Bahnhöfen Verden, Visselhövede oder Walsrode.

Mit dem Auto:
Über die A 27 bis zur Abfahrt Verden-Ost, in Richtung Kirchlinteln/Visselhövede
Beschilderung:Die Tour ist ausgeschildert.
Kontakt:Landkreis Verden
Fachdienst Wirtschaftsförderung
Lindhooper Straße 67, 27283 Verden (Aller)
Tel. 04231 15-480
E-Mail: tourismus@landkreis-verden.de

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Informationen zur Tour

Enrdecken Sie die Heimatregion der Stadtmusikanten zwischen Verden und Stellichte.

Das Märchen der Stadtmusikanten

Es war im frühen Mittelalter. Es gab kein Fernsehen, kein Radio, auch keine Zeitungen oder Bücher, denn des Lesens kundig waren nur wenige. Da saßen die Menschen in der dunklen, kalten Jahreszeit am wärmenden Herdfeuer und erzählten Geschichten. Diese Erzählungen waren geprägt durch den Glauben, Sitten, Gebräuche und vom Erlebten, das oft reichlich ausgeschmückt wurde. Viel später wurden diese Erzählungen, bei denen im Laufe der Jahre, wie im Spiel „Stille Post“, etwas hinzugefügt oder weggelassen wurde, als „Volksmärchen“ gesammelt und aufgeschrieben.

Bei dem Märchen der Stadtmusikanten könnte folgende Redewendung Kern der Erzählung sein: „Stadtluft macht frei nach Jahr und Tag". Diese entspricht einem Rechtsgrundsatz des Mittelalters zur Zeit der Städtegründungen. Denn als im 12. Jahrhundert, neben den alten römischen und germanischen Ansiedlungen, zahlreiche weitere ‚freie‘ Städte entstanden, wurden Menschen als Handwerker und für andere Dienste benötigt. Ihnen wurde in der Stadt Schutz versprochen. Das nutzten Leibeigene, um sich in eine neugegründete Stadt abzusetzen, wo sie für ihre Grundherren zumeist unauffindbar waren. Nach einem Jahr und einen Tag galten sie dann als freie Bürger.

Für die Landbevölkerung war es gefährlich, von der erfolgreichen Flucht eines Leibeigenen zu erzählen, weil solches Gerede mit harten Strafen vom Grundherrn geahndet wurde. So wurde also, statt die Geflohenen beim Namen zu nennen, vom Esel, Hund, Katze und Hahn erzählt, die in der Stadt ein besseres Leben suchten.

Um die Entstehung des Märchens nachvollziehen zu können, wurde im Jahr 2008 der Stadtmusikantenweg mit seinen Informationsstationen eingerichtet. Damit beispielhaft die damalige Situation der geflohenen Figuren, die in der Stadt ihr Glück suchten, nachempfunden werden kann, wurden die dazu entsprechenden Orte am Stadtmusikantenweg ausgewählt.

Der Märchenanfang „es war einmal ein Esel“ passt in das Ensemble des Stellichter Rittergutes. Zu diesem zählen die 'Obermühle' und die Rittergutskirche mit der ‚Sünderbank‘ unter der Kanzel, die symbolisch mit einem Bären an der Kette gekennzeichnet ist. Sie war reserviert für Leute, die „Übles taten oder Übles redeten“.

Für den Jagdhund gibt es keinen Ort, der zutreffender wäre als der 'Königshof', der bereits in der Merowinger- oder Karolinger Zeit begründet wurde. In Verdenermoor sollten Katzen die Mäuseplage eindämmen. Waren sie alt, so wurden sie im nächsten Moorgraben ersäuft. Ein Schicksal, das auch der Katze im Märchen drohte. So saß sie jämmerlich maunzend am Krusendamm.

Esel und Hund kamen daher gerade recht, als sie sie aufforderten, mit nach Bremen zu ziehen. Weiter führte der alte Handelsweg durch die Hügelgräberheide bis zum Lintler Krug, einstmals eine Pferdewechselstation und Herberge. Hochherrschaftlichen Fahrgästen wurde in diesem Gasthof die traditionelle niedersächsische Hochzeitssuppe kredenzt, deren Grundlage eine kräftige Hühnerbrühe ist. Wen wundert es daher, dass der Hahn nun voller Angst auf dem Zaun vor dem Lintler Krug saß und aus Leibeskräften schrie.

Nur zu gerne schloss er sich Esel, Hund und Katze an. Im Lindhoop, einem Waldstück (Forst Lindhoop) zwischen Kirchlinteln und Verden, könnten die Vier ihr Nachtlager aufgeschlagen haben. Wie im Märchen berichtet, erblickte der Hahn von einem hohen Baum am Stadtrand von Verden den Lichtschein einer Wohnstätte, die, wie es sich herausstellte, ein Räuberhaus war. Die Erzählung, wie die Stadtmusikanten die Räuber verjagten und anschließend im Räuberhaus bis an ihr Lebensende blieben, wird dem Märchen überlassen.

Wegbeschreibung

Der Stadtmusikantenweg von Stellichte bis an Verdens Stadtrand ist ein Weg für Entdeckerinnen und Entdecker. Auf dem Rundkurs von ungefähr 44 Kilometern führt er über stille Seitenwege, durch Wald und Feld, zum Teil auch über Sand- und Schotterwege. Radler, die diesen Weg fahren, werden mit einer herrlich stillen Landschaft
belohnt.

Die Stationen mit Informationstafeln:

  1. Esel „Grauschimmel“: Obermühle in Stellichte mit der Rittergutskirche. Stellichte gehört zur Stadt Walsrode, die im Heidekreis liegt.
  2. Hund „Packan“: Königshof, ein Ortsteil der Stadt Visselhövede im Landkreis Rotenburg.
  3. Katze „Bartputzer“: Krusenhoff im Verdenermoor, ein Ortsteil von Kirchlinteln, das im Landkreis Verden liegt.
  4. Hohlwegspuren in Kirchlinteln an der alten Weitzmühlener Straße und der Hügelgräberheide.
  5. Hahn „Rotschopf“: Lintler Krug, einstmals Pferdewechselstation, Herberge zur Zeit des Luftkurortes Kirchlinteln und nun ein Kulturhaus.
  6. Horst „Räuberhaus“: An Verdens Stadtgrenze gelegene Anhöhe. Von hier aus war der alte Handelsweg, der nach Bremen führt, sehr gut einsehbar. Frachtfuhrwerke der Bremer Kaufleute wurden hier häufig überfallen. In dem dort oben einstmals stehenden alten, kleinen Häuschen, könnten wohl die Räuber gehaust und später auch die Stadtmusikanten gewohnt haben. Das Denkmal der Stadtmusikanten, in Bremen am Rathaus, errichteten Bremer Kaufleute aus Dankbarkeit, weil die Vier an einem alten Handelsweg die Räuber verjagten.

Touristische Hinweise

Abseits der Route

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